Rumänienreisebericht ist fertig

» Gepostet von am Feb 11, 2010 in Reiseberichte | Keine Kommentare

Rumänienreisebericht ist fertig


Rumänien 25.9. – 3.10.2009


Mit Robby Fuchs und Knut W. Brückner

www.adventure-offroad.de

Freitag 25.9.2009 6:20 Uhr

20 min später als geplant begannen wir unsere Reise 1160 km immer nach Osten, der Sonne entgegen.

Gegen halb neun passierten wir München. Ich wollte eigentlich die Spezialstrecke, die wirklich immer gen Osten geht, nehmen. Also über die A94 und B12 bis Passau. Garmin war da anderer Meinung und dank früher Morgenstunde kam mir erst beim Anblick Franz-Josephs (in Form des gleichnamigen Flughafens), dass da etwas nicht stimmt…

So wichen wir doch etwas von der strengen Vorgabe „let’s go east“ ab und nahmen Kurs nach Nord-Ost auf der A 92. Nach kurzem Tank- und Baumarktstop, Diesel- und Dieseleinfülltrichterkauf, sowie Klobesuch, in Deggendorf ging es fast richtungsgerecht über Passau und Wien nach Ungarn. Bis Wien begleitete uns eine abwechslungsreiche Landschaft – Hügel, Wälder, Wiesen. Dann ein atemberaubender Blick hinab vom Wienerwald auf Wien. Völlig überwältigt von der Kulisse kam Major M gar nicht auf die Idee ein Foto zu machen. Als ich ihn darauf hinwies, dass das doch auch ein hübsches Motiv wäre, hätte nur noch eine Notbremsung zum gewünschten Fotoerfolg geführt…

Nach Wien: plötzliche Ebene. Ca 500 km flache Puszta und gerade, gut ausgebaute Autobahn. Einzig der völlig sinnlose Versuch die Ortsschilder oder anderen Tafeln entlang der Autobahn im Vorbeifahren laut zu lesen, hielt uns davon ab den Langeweiletod zu sterben. Puszta ist bestimmt großartig, aber nicht entlang der Autobahn. Pünktlich zur Rushhour (yippie, yippie, yeahhh!!!) kamen wir in Budapest an. Major M bewies verblüffende Ortskenntnis (ich dachte immer, dass er bei seinen Geschäftsreisen nur die Dependance und das Hotel kennenlernt…). So bekam ich bei 20km/h, perfektes Sightseeing-Tempo, eine wunderbare Stadtführung entlang der Donau.

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Bis hier hin ging es reibungslos und schnell und wir, zumindest ich, war immer noch der Annahme dass wir am Abend noch zur voraus gereisten Gruppe in Rumänien stoßen könnten. Selbst nach Budapest, dank auch noch teilweise gesperrter Autobahn und einem Zeitverlust von insgesamt 1,5 Stunden, glaubte ich fest daran. Nach Budapest war die Autobahn nicht mehr durchgehend 4-spurig, aber immer noch prima. Unvermindert schnell (Tagesspitzengeschwindigkeit laut Garmin: 160km/h!!!!) ging es weiter. Es war noch keine 19:00 Uhr, als es bedenklich schnell anfing zu dämmern und dann Nacht wurde. Uns dämmerte es auch. Nämlich, dass wir ja deutlich weiter östlich sind und es deshalb auch eher dunkel wird und nicht etwa die Uhr stehen geblieben ist. Ein kurzer Blick in den Reiseführer klärte auch die soeben aufgekommene Frage nach der Zeitzone in Rumänien. Eine Stunde später. Damit wurde auch mir klar, dass wir die Nacht alleine verbringen würden. Wir wollten aber noch möglichst weit nach Osten. Und wir nahmen Kontakt mit Robby auf und vereinbarten ein Treffen am nächsten Mittag bei Shigetu Marmatiei in Rumänien. Langsam waren wir wirklich „well-shaked“ und hatten keine Lust mehr. Ein Tagesetappenäquivalent der geplatzten Rallye Transsyberia (die wir eigentlich in diesem Jahr fahren wollten) war ja auch geschafft, quasi die Mindestanforderung an uns. So beschlossen wir bei „unaussprechlich mit N“ = Nyiregyhaza  „Garmin“ nach einem Schlafplatz zu befragen. Er zögerte nicht lang und zeigte uns mehrere Möglichkeiten auf. Wir fanden „Hotel Europa“ klingt gut. Ziemlich direkt ging es ins Zentrum. Hotel Europa haben wir  schnell gefunden, aber es war zu. Nicht verzagen, Garmin fragen. Auf dem Weg zum nächsten Ziel entdeckten wir auf dem Display ein Hotel im Wald. Wir fanden die Lage idyllisch und beschlossen es auf Übernachtungstauglichkeit zu testen. Garmin wies uns in den Wald hinein, durch ein Tor in eine parkähnliche Anlage. Über dem Tor stand „Ozon Panzio“. Des ungarischen absolut nicht mächtig, waren wir überzeugt, dass Garmin irrt und es sich hierbei bestimmt um eine Schönheitsklinik  mit Ozonanwendungen handelt. Dennoch fuhren wir zu dem rustikalen Gebäude und Major M wagte eine Inspektion. Garmin irrt nie/nicht. Wir checkten ein.

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Auf der Terrasse saßen 4 Herren in typischer „Osteuropauniform“ – Lederjacke, Jeans oder Trainingshose, Turnschuhe und konspirierten bei Wein, Vodka und Speisen. Ebensolchem Quartett begegneten wir später im Speisesaal. Die Wortfetzen verrieten eindeutig die Herkunft aus der nahen ehemaligen Sowjetunion. Besagte Herren und wir waren die einzigen Gäste. Mit dem Gefühl hoffentlich nicht unfreiwillige lästige Zeugen unerlaubter Geschäfte  zu werden, nahmen wir ein opulentes Mahl mit gutem ungarischen Bier und Schnaps. Völlig vom Defendi durchgeschüttelt und vom Schnaps betäubt fielen wir in unserem, in kommunistischer Einheitsinnenarchitektur designetem  Zimmer (austauschbar mit Moskau, Perm, Phnom Penh…), in einen tiefen Schlaf.

 
Samstag 26.9.2009, 6:00 Uhr

Geweckt werde ich nicht von der russischen Mafia, sondern von Bach, meinem Nokia Weckton. Major M hört nicht auf solch frühe Musik, sondern wartet lieber auf seine modernen jazzigen Elektroklänge zu angemessener Zeit. So war ich also alleine im postkommunistischen Bad und versuchte den antiken Armaturen warmes Wasser zu entlocken. Trotz intensivem Test aller Mischkombinationen blieb es eiskalt. Ich beschloss die Dusche auf den Abend zu verschieben und kroch wieder ins Bett. Major M verschwand kurze Zeit später in selbem Bad und es plätscherte und plätscherte. Ich war voll Stolz auf meinen heroischen Mann, der in eisigem Wasser ewig duscht. Aber er war kein Hero! Um halb 7 gab es warmes Wasser…

7:29 Uhr, Start. Eigentlich viel zu spät – es war ja schon 8:29 Uhr  in Rumänien und um ca. 12:30 Uhr OZR (Ortszeit-Rumänien) wollten wir die Gruppe im ca. 170 km entfernten Shigetu Marmatiei treffen.  Klingt völlig realistisch. Die Realität sah aber anders aus.

Von N. geht es über eine gute, aber kleine Landstrasse wieder der aufgehenden Sonne entgegen bis zur rumänischen Grenze. Immer öfter treffen wir (ältere) Traktoren und andere archaische bäuerliche Fortbewegungsmittel und Ackergerät. Die Dörfer werden kleiner, ländlicher. Einen großen Supermarkt sehen wir nicht mehr, dafür Obst-. und Gemüsestände am Straßenrand und kleine Läden, deren Namen wir nicht „lesen“ können, aber als Mini-Markts interpretieren. Wir machen uns Gedanken, ob wir noch einmal einkaufen sollen. Eigentlich waren wir ja der Meinung, genügend dabei zu haben, um nicht unmittelbar zu verhungern. Robby gab uns einst eine Liste mit „nützlichen“ Lebensmitteln. Ganz wichtig ist Grillgut, da viel gegrillt wird. Wir wollten nicht quer durch Europa Fleisch schleppen und somit waren wir absolut fleisch– und wurstlos. Ebenso steigerte sich bei mir die Befürchtung eine akute Avitaminose erleiden zu müssen, da wir NULL Gemüse und fast kein Obst mitführten. So steuerten wir einen dieser offensichtlich vermeintlichen Minimarktes an. In der Tat, war es einer. Aber es gab Konserven, Brot, Milch und Sprit. All das hatten wir selber. Noch in keinster Weise beunruhigt, vertrösteten wir uns auf noch viele kommende Optionen in irgendwelchen Dorfläden in Rumänien. Die rumänische Grenze in sichtweite türmten sich am Straßenrand Kisten mit Melonen, Äpfeln, Karotten, Kartoffeln, Gurken, Tomaten. Major M konnte zu einer Vollbremsung überzeugt werden – ich wähnte uns noch gut in der Zeit und wollte mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Ich griff in die Kiste mit Karotten und nahm einige heraus. Der einigermaßen freundliche dunkelhaarige Händler gestikulierte mir, dass ich nicht nur 4 Karotten kaufen kann, sondern die ganze Kiste nehmen müsse. Das gleiche galt für Tomaten, Gurken, Äpfel. Avitaminose hin oder her, so viele wollte ich dann doch nicht.

Major M ließ netterweise beim Einfädeln auf die Landstrasse einen polnischen Kleintransporter mit einem Quad auf einem Hänger vor. Selbiger stand 500 m weiter vor uns an der Grenze. Von den 4 Spuren war nur eine besetzt. Die beiden Grenzbeamten schienen skeptisch fasziniert von der Ladung des polnischen Kleintransporters. Offensichtlich verglichen sie jedes einzelne Teil im Fahrzeugschein mit dem Objekt. Und im Transporter war noch ein Quad. Die Autoschlange wurde länger, die Zeit verstrich. Der Transporter wurde nicht zur Seite gewunken, keine weitere Spur wurde eröffnet. Gegen halb 11 OZR ließen die Grenzer den Transporter doch passieren bis zur Haltebucht im Grenzbereich auf rumänischer Seite. Der rumänische PKW vor uns wurde direkt durchgewunken. Wir hielten dem einen Grenzer unsere Pässe freundlich lächelnd – vorher haben wir sicherheitshalber noch die Sonnenbrillen abgenommen und die Kamera vom Defendi ausgemacht – entgegen. Er nahm sie bedeutete Major M auszusteigen und den Kofferraum zu öffnen. Solange Major M den Zündschlüssel aus dem Zündschloss fummelte  wagte der Grenzer einen Blick ins Innere des Cockpits, was ihm ein erstauntes „Oh“ entlockte. Indes kam sein Kollege und winkte ab. Er hat wohl enttäuscht bei einem Blick durchs Heckfenster gesehen, dass wir kein Quad, sondern nur Reisetaschen etc geladen hatten. Ende der Kontrolle.

10:50 OZR erreichten wir Satu Mare. Nun äußerte Major M einen dringenden Erledigungswunsch, nämlich Geldtauschen. Ich sah das Ganze recht relaxed – schließlich befanden wir uns ja in der EU. Schnell war am Ortseingang von Satu Mare eine Bank unbekannten Namens gefunden und da ein guter Parkplatz weit war, parkte Major M am Straßenrand und ich begab mich mit 250 Euro in der Hand in das Geldinstitut. Empfangen wurde ich von einem grimmig blickenden Sicherheitsmann mit dicker Knarre im Gürtelholster. Holla! Nach längerem Warten – ein Rumäne war vor mir  am einzigen Schalter und wollte friedlich Geld – hielt ich der Dame mit einem freundlichen „buna zuia“ meine gebrauchten Euros entgegen. „Passport?“ Wozu das denn, dachte ich mir und rannte murrend zum Defendi, da ich nie einen Ausweis an der Frau habe. Zurück in der Bank wurden in etlichen Formularen meine Daten und Anderes  mit der Hand notiert und am Ende bekam ich meine doch maschinell berechnete Summe an Lei. Als ich mich irgendwann später mal über die Passportschikane mitten in Europa beschwerte, wurde ich aufgeklärt, dass man überall auf der Welt nur mit Pass Geld tauschen kann. Hm… zugegebenermaßen habe ich die letzten vielen Jahre kein Geld mehr in Europa getauscht und „überall auf der Welt“ überlasse ich eigentlich Major M dieses Geschäft. Überzeugt.

Unser Weg führte uns weiter, mitten hinein nach Satu Mare. Italienisch anmutende ältere Architektur, viel Verkehr, geschäftiges Treiben. Jedoch alles mit einem Hauch von Verfall und Chaos. Von den  ehemals prächtigen Fassaden blätterte die ergraute Farbe und der doch dichte Verkehr bewegte sich nach uns unbekannten Gesetzen. Der Neuere und Stärkere gewinnt, oder so ähnlich. Als Relikt vergangener Zeiten deuteten wir die netten Durchfahrtsverbotsschilder für Pferdekarren. Einwenig seltsam war uns dann zumute als an einer roten Ampel eine Horde bettelnder, zerlumpter und dreckiger Zigeunerkinder auf uns und die anderen wartenden Autos zu rannte. Das erste und nicht letzte Mal auf dieser Reise hatten wir Probleme mit unserem offensichtlichen „Reichtum“. Nicht zwischenmenschliche Probleme, sondern unserer Moral gegenüber. Es fiel uns schwer kalt hinter verschlossenen Türen darauf zu warten, dass die Ampel grün wird.

Nach Satu Mare nahmen wir wieder Kontakt mit Robby auf, der uns bei aktueller Standortübermittlung aufklärte, dass wir es niemals zu gegebenem Zeitpunkt nach Shigetu Marmatiei schaffen werden und die Gruppe zur geplanten Offroad-Etappe ohne uns aufbrechen wird. Das eröffnete uns die Möglichkeit auf dem Weg dorthin den besonderen Friedhof von Şapanta zu besichtigen, was andernfalls wegen Zeitmangel ausgefallen wäre.  Je weiter wir von Satu Mare nach Norden, in die Maramures fuhren, desto schlechter wurde die Strasse, kleiner die Dörfer und unvermittelt tauchte der erste Pferdekarren auf, kurz danach der nächste. Teilweise waren sie sogar mit einem Nummernschild ausgestattet. Es gibt sie wirklich! Die Schilder sind kein Relikt und die Beschreibung im Reiseführer ist keine Touristenmär. Jetzt da wir „wirklich“ in Rumänien waren fiel uns auf, dass die Landschaft braun war. Die Vegetation hatte einen eigentümlichen Braunstich. Sicher ist es hier im Sommer wesentlich trockener als bei uns und es fehlten jegliche riesigen Monokulturen. Die handtuchgroßen Felder wurden mit einfachsten Mitteln bewirtschaftet und es scheint nicht wie bei uns in großem Stil bewässert und gedüngt zu werden. Die Strecke war abwechslungsreich hügelig und kurvig. Die Strasse war zwar geteert und in gutem Zustand, aber dennoch brauchten wir tatsächlich viel länger, als wir es uns vorgestellt haben. In den westlichen Ausläufern der Maramures boten sich uns kleine Pässe mit atemberaubender Aussicht.

Hinunter ging es in das Grenzgebiet zur Ukraine. Links von uns ein Fluss, die Tisa, in deren Verlauf sich die Grenze befindet, dahinter die Ukraine – zum greifen nah die typischen Zwiebeltürme der orthodoxen Kirchen. Die Gegend um Şapanta und Shigetu Marmatiei ist eine international bekannte Gegend, dank des Friedhofes von Şapanta und der „skandinavischen“ Stabkirchen und Klöster aus Holz. Aus dem Nichts tauchten Reisebusse und Souvenirstände auf. Wir parkten an der Friedhofsmauer  und überließen Defendi den wenig neugierigen Blicken und gingen auf den „fröhlichen Friedhof“, wie dieser übersetzt heißt. Der Holzschnitzer Ion Patras (1935 – 1977) wollte dem Tod seinen Schrecken nehmen und schnitzte kunstvolle, bunt bemalte Holzkreuze mit Szenen aus dem Leben oder Tod des Verstorbenen inklusive einer kleinen Geschichte. So sind dort Mordszenen, Unfall (Freitod?) mit der Eisenbahn,  neben Bäuerinnen, Schreibern, Lehrern und Dieben zu sehen. Der Text blieb uns natürlich mangels Sprachkenntnis verborgen, dennoch machten die Bilder einiges deutlich: 1. Die Frauen werden alle älter, 2. die meisten sterben mit ca. 5o Jahren, 3. auffällig viele sterben an Unfällen mit Autos, besonders Kinder.

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Wir hatten genug der morbiden Fröhlichkeit und machten uns auf den Weg weiter Richtung Barşana. Unterwegs sahen wir immer wieder, die von Robby und dem Reiseführer angepriesenen, riesigen handgeschnitzten Holztore, die für diese Gegend so typisch und eine weitere Sehenswürdigkeit sind. Und bald tauchte linker Hand auf einer Anhöhe das Kloster von Barşana, in der erwähnten eigentlich für Skandinavien so typischen Stabkirchenbauweise auf. Eine Ansammlung von Reisebussen und die mittlerweile fortgeschrittene Zeit bewog uns dazu die Besichtigung japanisch zu gestalten  – Photo von außen und weiter. Erneute Kontaktaufnahme mit Robby. Endgültiger Treffpunkt: in ca. 1h, also um ca. 15:00 OZR am Ortsausgang von Botiza, „da wo die Teerstrasse aufhört und die Strasse ein Haltebucht hat“. Robby fügte noch hinzu, dass der Ort, der in Karte nur als ein Punkt verzeichnet ist in Realität aber 10 km lang sei. Nach einigen Kilometern auf einem in Deutschland „besseren asphaltierten Feldweg“, gesäumt von kleinen Feldern mit Mais, Gemüse und Getreide und etlichen Pferdefuhrwerken. erreichten wir den gewünschten Ort. Eine Hauptstrasse, die scheint’s einzige, gesäumt von kleinen Holzhäusern, mit an Russland erinnernden Schnitzereien und teils kunstvollen Gartenzäunen. Vor jedem Gartenzaun eine Bank mit oder ohne Besetzung, mal ein Schwein, ein Hund oder Hühner. Irgendwie schien sich das Ganze, uns Naiven idyllisch erscheinende, Dorfleben auf der Strasse abzuspielen. Nach tatsächlich mindestens 10 km teilte sich die Strasse, der Teer hörte in beiden Richtungen auf und links befand sich eine Art Platz mit einem Holzkreuz. Wir waren überzeugt richtig zu sein, hielten an und warteten. Die vorbeikommenden Einheimischen beachteten uns gar nicht, wir hingegen beobachteten interessiert mit welch einfachen Mitteln die Menschen hier den Alltag meistern. Nicht das letzte Mal auf dieser Reise stellen wir die enormen Unterschiede der EU-Mitgliedsstaaten fest. Hier scheint die EU  noch nicht wirklich angekommen zu sein. Besonders fasziniert hat uns die Bremse eines Pferdefuhrwerkes. Diese Bremse bestand aus einem langen dünnen Holzstamm, der so zwischen der Unterseite des Hängers und des Hinterrades eingeklemmt wurde, dass bei Druck auf das äußere Ende des Stammes, selbiger auf den Reifen gedrückt wurde und somit als Bremse fungierte. Dazu musste natürlich der „Beifahrer“ nebenher laufen und die Bremse bedienen.

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Gerade als erste Zweifel an der Richtigkeit unseres Warteortes auftauchten, hörten wir hier so unpassendes  Motorengeräusch und es tauchte  die Truppe, voran Robby und Knut mit seiner „Giraffe“ (ein Toyota im Giraffenlook) auf. Kurze Begrüßung, Beäugung, Vorstellung. Wir bekamen ein Walkie-Talkie und los ging es. Die Strasse führte uns aus dem Dorf heraus in die Berge hinein. In der Karte des Reiseführers war die Strasse schon gar nicht mehr verzeichnet, in der größeren Landkarte war sie eine „sonstige“ Strasse. Steinig, teils felsig, manchmal matschig führte sie entlang eines Baches stetig bergauf. Unterwegs wurde zu unserer Verwunderung Holz gesammelt und wir unwissenden wurden darüber aufgeklärt, dass es am Nachtplatz erfahrungsgemäß wenig zum Lagerfeuer geeignetes Holz gibt. Aha, wir hatten noch keine Vorstellung wo unser Nachtplatz sein wird. In der Reisebeschreibung stand 2 feste Unterkunft, der Rest im Camp. Wir fanden zwar bei unseren Vorrecherchen nirgends Campingplätze in Rumänien, aber dachten dass Robby das schon wissen wird. Ich wunderte mich jetzt ein bisschen über das Vorhaben ein Lagerfeuer diesen Ausmaßes – die Holzstücke waren halbe Bäume – auf einem Campingplatz zu machen.

Mitten in unberührtem Wald, fern jedes Dorfes sagte Robby plötzlich: „so jetzt legen wir alle die Untersetzung ein und  fahren hinauf zu unserem Camp. Uns wurde klar, dass bei dem Wort Camp 3 Buchstaben zur Dusche fehlten:  -ing! Ziemlich steil ging es hinauf zu einer Lichtung mit herrlichem Blick auf die umliegenden Berge. Ein riesiges Heumandl stand quasi als zentrales Denkmal auf der Wiese. Nachdem alle einen Standplatz für die Nacht gefunden haben und die Motoren aus waren, vernahmen wir die unglaubliche Stille. Kein Motorengeräusch, keine Maschinen. Aber allein waren wir nicht. Selbst hier, fern vom nächsten Dorf waren Hirten mit ihren Schafen, die wir unweit blöken hörten.  Die anderen hatten schnell routiniert ihre Schlafgelegenheiten in oder auf dem Auto installiert. Wir kämpften etwas länger mit unserem Zelt. Schnell bemerkten wir, dass wir echt spartanisch ausgerüstet waren. Kein Tisch, kein Gaskocher, kein Grill, kein Grillgut, keine Gaslampen… (trotzdem war Defendi ganz schön voll). Die andern waren schon am Grillen und saßen an den Tischen, als wir noch überlegten, was wir denn jetzt essen. Asia-Instant-Suppe, Asia-Instant-Suppe oder Asia-Instant-Suppe.  Wir entschieden uns für Asia-Instant-Suppe. Super lecker und super scharf. Bis wir zu diesem Genuss kamen, musste ich mich erst mal an die Montage  des Trangia-Sturmkochers erinnern. Es wollte nicht richtig heiß werden. Es wurde gemutmaßt, dass es wohl daran liegt, dass kein Sturm ist. Während die Suppe auf geliehenem Gaskocher kochte, bemerkte ich, dass ich den Kocher falsch zusammen gebaut habe. Letzte Benutzung lag ja doch schon gute 15 Jahre zurück. Richtig zusammengesetzt probierten wir es noch mal und er kochte  wie Hölle. Neidisch blickten und rochen wir zu gegrilltem Fleisch und Wurst, Gurken und Tomaten. Irgendwie hatten wir das Einkaufen völlig vergessen.

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Unser Lagerfeuer war riesig und heiß. Und dann wurde es nicht nur spät, sondern auch empfindlich kalt am Rücken. Major M und ich krochen in unsere Schlafsäcke. Ich musste feststellen, dass Zelt und Isomatte vor 20 Jahren deutlich bequemer waren. Ich hängte noch das „Thermometer“ – meine Uhr – auf und war überzeugt, dass es zwar hart, aber warm wird, da unsere neuen Schlafsäcke bis zu 0° C Wohlfühltemperatur hatten.

 
Sonntag 27.9. 7:30 Uhr OZR

Bach acc. erlöste mich vor den frostigen Qualen der Nacht. Jetzt durfte ich endlich aufstehen! Ich habe selten so gefroren, wie in der Nacht. Vorsichtshalber hatte ich schon meine Skinunterwäsche als Schlafanzug genutzt und eine dicken Pulli angezogen, aber es war saukalt. Bei Major M, der nur im T-Shirt im Schlafsack gelegen hat, war es muggelig warm. Irgendwas machte ich falsch!!!!! Das Thermometer zeigte eine Zeltinnentemperatur von 9 Grad an, also eigentlich nicht wirklich kalt.

Die Morgenstimmung entschädigte mich aber für alles. Stille, die Landschaft in das sanfte Licht der Morgensonne getaucht, ein Hauch von Frühnebel über den Wiesen und Bergen. Durch das nasse Gras gingen wir in den angrenzenden Wald auf’s Outdoorklo. Katzenwäsche aus dem Wassertank, Zahnschmelzhärtetest beim Zähneputzen.

Einwandfrei und irre schnell war der Espresso in der traditionellen Gasherdespressomaschine auf dem Trangia fertig. Frühstücksbuffet auf der Kühlerhaube. Die anderen Teilnehmer hatten schon ein Paar Tage Training und ihr Equipment war erschreckend schnell gepackt und verstaut.

Heute stand eine längere, laut Robby eher langweilige Überführungsetappe nach Mihai Viteazu, südlich von Turda auf dem Plan.

Vom Camp ging es ebenso steil bergab, wie tags zuvor bergauf, zurück auf die Strasse. Wir überquerten den Pass  und gelangten auf guter, unbefestigter Strasse hinunter nach Targu Lapus und weiter nach Dej. In der Tat hatte die Strecke keinen hohen Offroad-Anspruch, war aber dennoch landschaftlich sehr schön. Die Hügel wurden zunehmend flacher und breiter und weniger bewaldet. Die Wiesen immer weitläufiger und steppenähnlich. Wir passierten einige Orte, die sich im Wesentlichen  nicht von den bisher gesehenen unterschieden. Dej umfuhren wir auf der Umgehungsstrasse – neu und sehr befahren –  und  landeten auf der E58. Markiert war sie 2-spurig, also eine Spur für jede Richtung, benutzt wurden aber 5. Vorfahrt hatte wieder der, der dicker, größer, schwerer oder schneller war. Wir waren nichts von dem (außer der schönste, aber das zählt hier nicht)  und ich fühlte mich ziemlich unwohl hinterm Steuer. Defendi ist im Gelände unschlagbar, hier war er aber am Limit beim Mithalten mit der Geschwindigkeit der Anderen. Ich hatte das Gefühl permanent irgendwem im Weg zu sein. Einmal hab ich wohl etwas falsch verstanden bei der Kräftevorfahrtsregelung. Plötzlich hupte es hinter uns und ein Mittelklassewagen fuhr neben uns, hupte wieder und 4 wirklich mafiöse grimmige Männer zeigten mir mit eindeutigen Drohgebärden, dass sie richtig sauer waren. Hm, ich glaube ich habe nicht schnell genug Platz gemacht??? Major M konnte mir auch kein direktes Verkehrsvergehen vorwerfen und zumindest ich war sehr froh, als sie mit Kickdown und quietschenden Reifen von dannen brausten und mir zeigten, wer hier der Chef ist. Diese Horrorstrasse führte durch völlig unbewaldete Hügel. Es wurde (von mir nicht, ich hab nur das Steuer umklammernd geradeaus geschaut) ein Schild zum Nokiawerk gesichtet. Die Eröffnung dieses  Nokiawerks bewirkte ja den nie durchgeführten Massenboykott auf Nokiahandys. Aha, da ist es also. Wir erinnerten uns unserer inkonsequenten Entrüstung.

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Recht unvermittelt bog Robby rechts ab und wir fuhren zur Mittagspause auf einen dieser Steppenhügel. Ganz oben, natürlich mit fulminanter Aussicht machten wir Pause. Wieder stellte sich heraus, wie spartanisch unsere Ausrüstung war. Alle saßen bequem auf ihren Campingstühlen. Da wir aber nicht einmal so eine Schaumstoffstrandisomatte dabei hatten, haben wir bewiesen, dass wir auch als Fakire taugen (das Gras da oben war Hölle piekig). Naja, wir nahmen dann doch dankend das Angebot für zwei bayrische Leihisomatten an.

Ein Robby-Motto lautet: niemals den gleichen Weg zurück, wie hin. Deshalb hatte die Talfahrt wieder ihren besonderen Reiz – einfach quer über die Wiese den Hügel hinunter und wieder auf den Highway to hell nach Cluj Napoca und weiter nach Turda. Keine sehenswerten Highlights und keine verkehrstechnischen Zwischenfälle. Major M ist, was den Verkehr anbelangt, nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen.

Da wir rechtzeitig in Turda ankamen, beschlossen wir eine alte Saline (http://www.panoramio.com/photo/581622) zu besichtigen. Bis in die 30-er Jahre des letzen Jahrtausends wurde dort Salz abgebaut. Heute dient sie mit ihrem konstanten Luftsalzgehaltes und der Temperatur von 7°C als „Sanatorium“. Durch einen langen Tunnel gelangten wir zu den durch den Abbau entstandenen Hallen. Besonders beeindruckend war die Haupthalle, gigantischen Ausmaßes. Robby weiß wie groß sie ist. Ich habe es vergessen, aber sie war riesig. Der „Weg“ führte auf einer zweifelhaften, bei uns sicher wegen Einsturz- oder Absturzgefahr gesperrten, Holzkonstruktion am oberen Rand entlang. Unter uns lag eine riesige Halle, die gerade zum Konzert- und Mehrzwecksaal umgebaut wird.  Es entstand eine riesige Bühne und ein Ballsportplatz. Wie riesige Milchtropfen, die in der Luft erstarrt sind, hingen hunderte von Lampen  von der Decke in die Halle hinab und tauchten diese in milchiges Zwielicht. Entlang der Wände und der Holzbalken wuchsen die Salzkristalle, zu überdimensionalem Raureif. Die fragil aussehenden Salzkristalle waren steinhart.

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Nachdem auch unsere Elektriker (4 der 6 männlichen Teilnehmer, waren oder sind es!!!) dank abenteuerlicher Beleuchtungsinstallation auf Ihre Kosten gekommen sind und die Lungen aller mit gesundender Salzluft durchlüftet waren, begaben wir uns zu den Fahrzeugen mit dem Ziel Mihai Viteazu festen Unterkunft in einer Pensuiena. In Mihai Viteazu gibt es einen Minimarkt, wo alle einkaufen wollten. Wir hatten ja immer noch kein Grillgut und kein Grünzeug. Dieser Minimarkt hatte wieder die gleiche Auswahl, wie der gestern – Milch, Weißbrot, Softgetränke, Bier, Sprit, Tabak, Waschpulver… Nichts von dem brauchten wir. Grillgut und Grünzeug allerdings auch nicht akut, da wir ja die nächsten beiden Abende verköstigt werden sollten. Weiter ging’s zur Pensuiena. Die Hausherren Bela und Melinda Nagy, begrüßten uns wie alte Freunde und jedes Paar bekam ein wunderbares, einfach eingerichtetes, sauberes Zimmer. Sofort wurden die Duschen und der einladende Tisch im Garten gestürmt. Wer nicht duschte, genoss ein kaltes Bier.

Besondere Attraktion waren die neugeborenen Ferkel, die im Stall zu bewundern waren. Wie die meisten Rumänen, eigentlich alle, die nicht mitten in einer Stadt wohnen, hatte diese Familie neben dem/den Job(s) noch eine Landwirtschaft en miniature. Bei der Landreform nach Ceauşescu, bekam jeder Bürger Rumäniens eigenes Land. Daher kommen also diese kleinen Felder, die man überall und ausschließlich sieht. Jede Familie baut auf ihrem Feld Obst, Gemüse, evtl. Getreide und z.B. Mais als Viehfutter an und hält sich Hühner, evtl. eine Kuh, ein Schwein. Was nicht selber hergestellt wird, wird beim Nachbarn getauscht. Im Idealfall werden nur Dinge wie Waschpulver u.ä. wird gekauft. Dies erfuhren wir alles hier und damit erklärte sich auch die Produktauswahl in den von uns besuchten Läden.

Am frühen Abend wurde der Grill angezündet. Auf dem Tisch türmten sich Berge von selbstangebauten Tomaten, Gurken, Paprika und frischem Brot. Der Hausherr und Grillmeister servierte herrlich duftende, wunderbare Steaks. Wie die Raubtiere sind wir darüber hergefallen. Dem Platzen nahe, servierte Bela noch selbstgebrannten Palinka – 52%!, abgefüllt in einer 1,5 Liter Cola Flasche. Ganz voll war sie zum Glück nicht, denn nach relativ kurzer  Zeit war sie leer. Im Laufe des Abends gab es immer mehr Ausfälle – Einer nach dem anderen ging schon zu früher Stunde schlafen. Ich war erstaunt wie wackelig das Bett war, aber zu gesättigt, um mir ernsthafte Sorgen zu machen.

 
Montag 28.9.8:00 Uhr OZR

Das Bett hat gehalten. Trotz erheblicher Erinnerungslücken und Ausfälle sind wir alle fit. Sauber gebranntes Zeug.

Melinda und Bela deckten einen überreichhaltigen Frühstückstisch und überreichten jedem ein Lunchpaket.

Gestärkt, warm geschlafen und frisch geduscht machten wir uns auf zur Cheile Turzii, der Thorenburger Schlucht oder auch Turda Klamm. Auf 2 km Länge hat sich ein kleiner Bach 300m tief in das Kalksteingebirge gefressen und diese imposante geologische Sehenswürdigkeit erschaffen.

Zunächst fuhren wir wieder Richtung Turda. Bogen dann aber gleich, ab zu der Baustelle der neuen Autobahn, die in den Landkarten schon durchgehend bis Bukarest befahrbar war. Wie eine überdimensionale Sandkastenbaustelle zog sich die Trasse durch das hier staubige Land. Hunderte von kleinen orangen „Playmobilmännchen“ wuselten herum. Eine riesige Staubwolke lag über dem Land. Bald aber ließen wir diese Wüste rechter Hand liegen und gelangten wieder in die so bekannt Landschaft von diesmal felsigen Hügeln, weniger Bäumen und dafür mehr Wiesen. Es wurde wieder ein ungewöhnlich warmer Tag mit strahlendem Sonnenschein. Die heutige Strecke sollte uns einmal um die Cheile Turzii, mit einer kleinen Besichtigung derselben, führen und zurück zu Bela und Melinda. Mit ihren ca. 70km eine kurze Etappe, die viel Raum für kleine Offroadspielereien ließ.

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So fuhren wir als erstes  scheinbar senkrecht, Einer nach dem Anderen, der schönen Aussicht halber, mit Schwung auf einen Hügel hinauf. Oben Wenden, Parken und die wirklich tolle Aussicht auf die Schlucht genießen. Da die Steigung schon recht erheblich war und diese Quasirampe gute Bilder versprach, liefen alle Beifahrerinnen mehr oder minder neben ihren Chauffeuren her und versuchten möglichst spektakuläre Bilder zu machen. Alle unbeschadet am Fuße des Hügels wieder vereint, ging es des Spaßes halber auf den Gegenüberliegenden, nicht ganz so spektakulären Hügel. Robby verriet uns den Zweck dieser Übung – eine neue kleine Abkürzung finden. Die Idee war gut, die Durchführung mangelhaft. In gewünschter Richtung befand sich ein steiniger Steilhang, der selbst mit größt möglicher Phantasie und technischem Aufwand nicht zu bezwingen gewesen wäre. So fuhren wir halt wieder den Robby bekannten „Weg“ hinunter und gelangten auf sandiger Strasse zur Arieş, einem mittelkleinem Fluss mit einigen kleinen Staustufen. Hier war die Landschaft nicht besonders reizvoll. Links der Arieş befanden sich eine scheinbar stillgelegte Bahnlinie und Reste undefinierbarer Industrie. Rechts, auf unserer Seite, war das Ufer eine Mischung aus Steppengras, Kies- und Steinmulden, wie umgegraben, und den Überresten der Zivilisation – Blech- und Plastikmüll, sowie anderer schlecht verrottender größerer zu entsorgender Objekte. Nicht wirklich eine Augenweide. Das Terrain hier eignete sich aber hervorragend für Wasserspiele. Hier konnten augenscheinlich keine sensiblen Biotope zerstört oder Wildtiere verschreckt werden. Robby erklärte uns kurz sein Vorhaben und begab sich zum Wassertesten mit Wathose in die Fluten. Danach bekamen wir einen Crashkurs in Sachen Flußlesen und los ging es. Robby fuhr zur ersten „Insel“, der G-Benz, von uns nur „der Ge“ genannt, hinterher und blieb stecken. Ratlos blickte Peter ins Wasser, konnte dann aber doch ohne nasse Füße schnell mit Hilfe der Giraffe befreit werden. Robby startete zur nächsten Durchquerungsetappe und fuhr sich fest.

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Uns ist bis heute nicht klar, ob das Absicht war, um den Spaß zu steigern und die Winden zu testen, oder ob es wirklich ein Versehen war. Lustig wurde es alle mal. Der „der Ge“ wollte ihn befreien, seilte ihn an, fuhr los, aber die Fahrzeuge bewegten sich keinen Millimeter. Robby’s Giraffe war einfach zu schwer. Unser Zebra, der von uns zum Offroad-Auto des Jahres gekürte VW-Bus im Zebralook, schied mangels Zugmöglichkeiten oder auch anderer Überlegungen aus und so waren wir dran. So fuhr ich zu von Robby angewiesener Position und hoffte, dass ich nicht auch noch festhänge. Wir beschlossen Robby mit der Winde rauszuziehen. Major M hängte das Seil ein, startete den Windenmotor und ging in Deckung. Das Seil spannte sich und Defendi bewegte sich langsam auf die Giraffe zu. Ich trat voll auf die Bremse. Defendi grub sich tiefer ins Kiesbett und die Winde quietschte. Erst als sich Defendi mit den Vorderrädern so tief eingegraben hatte, dass der nach vorne festsaß gelang es die Giraffe zu befreien.

Recht unspektakulär ohne Zwischenfälle, aber lustig, fuhren wir alle zum anderen Ufer und dann mit Schwung und spritzend zurück zum Ausgangspunkt.

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Ein Stückchen Flussaufwärts galt es aber ihn endgültig zu queren. Robby, ortskundig, durchwatete wieder eine mögliche Stelle und gab grünes Licht. Diesmal fuhren wir alle ohne Zwischenfälle ans andere Ufer. Durch verdorrtes, dorniges Bahndammgestrüpp gelangten wir über selbigen auf eine Landstrasse, die uns in einen Ort führte. Am Straßenrand gab es etliche Stände mit Gemüse und Obst. Die Einwohner verkauften all das, was sie produzieren und nicht selber benötigen, immer dem jahreszeitlichen Angebot entsprechend. Es gab Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Birnen und Äpfel. Die Gruppe beschloss für alle einzukaufen und die gewünschten Produkte wurden auf die einige Teilnehmer verteilt. Ich wollte Birnen, aber außer mir niemand. So suchte ich einen Stand mit den meiner Meinung nach schönsten Birnen. Ich wollte nur 4 Stück. Das ging nicht. Mit Händen und Füßen einigte ich mich mit der Bäuerin auf ein Kilo. Aber das war kein Einheitskilo. Ich sagte irgendwann „Stop“ und wollte wirklich nicht mehr als 6! Birnen. Ich wollte zahlen und da mir schien, dass sie nicht ausrechnen können, und ja auch gar nicht über die Wägemethode verfügen um zu ermitteln, wie viel meine 6 Birnen wiegen, bedeutete ich, dass es so gut ist und ich einfach 1 Kilo zahle. Das ging aber nicht. Und da ich mich weigerte noch mehr Birnen zu nehmen wurden einfach Tomaten in die Waagschale gelegt, bis das Kilo erreicht war. Die anderen kauften einen 10 kg Sack Zwiebeln und einen ebenso großen Sack Kartoffeln.

Weiter ging’s auf der schmalen, aber geteerten Landstrasse und kurze Zeit später querten wir den Arieş, wie alle normalen Autofahrer über eine Brücke. Wir folgten dem Arieş flussaufwärts. Die Landschaft war wieder gewohnt unberührt, schön und sauber. Der Arieş grub sich hier mäanderartig seinen Weg durch die Berge. Unvermittelt bog Robby bei einer Häuseransammlung an und bog rechts in einen kleinen steinigen Weg ab. Kurz drauf bat er uns die Untersetzung einzulegen und Abstand zu halten. Der kommende Weg sei sehr steil. Der Weg war nicht nur steil, sondern auch schmal, steinig, zugewachsen und vollkommen ausgewaschen. Im ersten Gang krochen wir in der Untersetzung hinauf. Das Zebra überraschte wieder durch ungeahnte Wendigkeit, unglaubliche Bodenfreiheit und Unerschrockenheit. Wir gelangten auf  einen langgezogenen  beinahe baumlosen Bergrücken. Ich war überrascht, wie rutschig trockenes Gras bei hohem Tempo sein kann. Auf einem Plateau endete unsere Fahrt zur Picknickpause mit gewohnt perfekter Aussicht und den  feudalen Lunchpaketen von Bela und Melinda. Wir ließen uns in der Sonne braten, den Wind um die Schultern streichen und genossen die Stille. Hier oben waren wir wieder tatsächlich alleine, wenn wir auch nicht die einzigen waren, die mit einem KFZ je hier hergekommen sind, denn wir folgten der ganzen Zeit einer gut genutzten Spur. Aber die Natur hier oben war unberührt – es gab viele viele, der bei uns in den Alpen beinahe ausgerottete Silberdistel.

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Wie nicht anders zu erwarten fuhren wir nicht wieder den gleichen Weg hinab, sondern direkt am Plateaurand über terrassenähnliches Terrain hinab. Jeder bahnte sich seinen Weg von einer Terrasse zur Andern. Die Beifahrerinnen machten wieder Fotos. In einer Senke hatte Robby wieder einen Einfall und ermunterte uns, wenn wir uns trauen durch ein etwas dubios aussehendes Schilfloch zu fahren. Er selbst fuhr außen rum. Das gab uns zu denken und wir warteten erst einmal ab. Der Pajero – unsere bayrische Besatzung unerschrocken und draufgängerisch im SUV unterwegs – fuhr als erstes rein ins Schlammloch und kam gut eingesaut wieder raus. Diesen Dreck war uns der Spaß nicht wert. So verlockend es war, so wenig Lust hatten wir am Abend nach einer Waschmöglichkeit zu suchen. Die Bremsbeläge haben bei JoeVito in Russland eindeutig gezeigt, dass sie Dreck gar nicht mögen und Stefan, unser Defendibauer hat uns eingeschärft diese und die Kreuzgelenke IMMER sauber zu halten. So fuhren wir außen rum und machten lieber Film und Fotoaufnahmen, wie die anderen durch den Sumpf pflügten oder dank lebendigem Hindernis in Form des „Fotografen“ Peter stecken blieben.

Nach kleiner Wiesenetappe gelangten wir zur „Rallyerennstrecke“. Wir waren wieder an einer Art Strasse, einem kiesigem breiten, ebenem Sandweg. Es gab zwar am Anfang eine kleine Ansammlung von Häusern mit den obligatorischen Schweinen und Hühnern auf den Strassen, aber es war kein Verkehr zu erwarten und Robby keine anderen Hindernisse bekannt, außer einer fiesen Kurve, von der er aber nicht genau wusste wo sie war. Robby startete als erster mit der Giraffe, oder war es Knut, der es krachen ließ. Sie verschwanden in einer Staubwolke. Wir hinterher. Major M gab alles und ich war mir gar nicht mehr so sicher, ob ich wirklich Rallye fahren will. Ich hatte immer diese Kurve im Hinterkopf. Wir rasten mehrere Kilometer, nur an Wegkreuzungen durch gegenseitiges Warten unterbrochen, aber die Kurve kam nicht. Robby meinte später, er hätte sich geirrt, sie käme doch erst morgen.

Und dann waren wir wieder in einem größeren Dorf und dann auf eine Landstrasse, die direkt zum Nordseite der Cheile Turzii führt. Somit haben wir diese einmal umfahren, wenn auch mit direkter Abkürzung über den Bergrücken. Aber warum außen rum, wenn’s auch quer rüber geht? Da wir nun mal an der Turda-Klamm waren, wollten wir auch einen Blick hinein werfen. So parkten wir alle am nördlichen Eingang und marschierten zur Schlucht. Wirklich beeindruckend waren die zerklüfteten, 100-te Meter hohen Bergwände zu beiden Seiten, des kleinen Baches.

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Ein schmaler Pfad führte tiefer in  die Schlucht hinein, die man in 45 Min. durchwandern kann. Wir bedauerten es etwas, dass dies nicht auf dem Programm stand und einige überlegten zuerst sich von ihrem Fahrer/Beifahrer zu trennen und sich am andern Ende wieder einsammeln zu lassen. Aber die Zeit war zu fortgeschritten, als dass das noch Sinn gemacht hätte. So fuhren wir alle brav auf der Landstrasse zurück Richtung Turda und weiter nach M.V. zur Pension. Wobei Major M und ich noch nach Turda in einen Supermarkt gefahren sind, um endlich Grillfleisch zu erstehen. Robby erklärte uns, wo wir den Nächstgelegenen finden. Das war auch kein Problem. Beim Reinfahren in die Stadt fiel uns jetzt auf, dass überall quer über die Strassen Weihnachtsdeko hing. Da wird wahrscheinlich auch an Ressourcen gespart – sie bleibt hängen, bis sie von selber runterfällt. Der Supermarkt war im vergleich der bisherigen Läden exzellent bestückt, wenn auch in unseren Maßstäben sehr spartanisch. Aber es gab alles. Frischfleisch und TK-Ware, Obst, Konserven, Nudeln, Brot, Milch, Joghurt, Käse, Wurst, Wasser, Wein, Bier… Wir kauften ein Paar frische Würste, ein Paar Hühnerbeine und Aivar. Die TK-Ware war uns entweder zu viel, oder  suspekt.

Zurück in der Pension wollte ich bei Bela Palinka für die Gruppe und uns zuhause erstehen. Bela sagte, er selber habe keinen mehr, aber er könne beim Nachbarn fragen, wie viel ich den wolle. Er hätte gerade eine 1,5 Liter Fantaflasche und mehrere 0,5 l Flaschen. Ich beschloss die Fantaflasche und eine Halblitercolaflasche füllen zu lassen. Bela radelte los und kam kurze Zeit

später mit gefüllten Flaschen zurück – Palinka von der Zwetschge, 55%. Prost!

Abends wurden wir wieder hervorragend mit köstlichen Krautwickerln verköstigt. Dem Palinka sprachen wir alle nur gemäßigt zu, aber Robby demonstrierte uns, dass er nicht nur zum trinken, sondern auch zum Feuerspucken geeignet ist.

Dienstag 29.9, 9:30 OZR

Nach in diesem Hause gewohnt gutem Frühstück und noch mal ausgiebiger letzter Dusche vor zuhause machten wir uns auf den Weg in den Parcul Naţional Munţii Apuseni in den Westkarpaten. Vor uns  stand eine längere abwechslungsreiche Fahrt von der Hügeln um Turda in die bis zu 1800m hohen Berge, wo wir die nächsten 3 Tage verbringen wollten. Die Sonne stand schon wieder ungetrübt am Himmel, so dass auch  dieser Tag (leider) versprach schlammfrei und somit fahrtechnisch einfach zu werden. Ich hätte schon mal gerne eine kleine Schlammsschlacht mit Steckenbleiben, Windengebrauch, Wegbahnen etc gehabt. Für eine solch längere Freude (also mehr also nur ein 2 Meter langes Schlammloch) hätte ich auch ohne Bedenken Defendi komplett einer Moorkur unterzogen. Aber es wollte einfach nicht regnen…

Zunächst fuhren wir wieder zur Megabaustelle der Autostrada Transsylvania, folgten Ihr eine Weile auf bekannter Strasse zur Cheile Turzii und dann weiter Richtung Nordwesten. Nach vielleicht 15 oder 20 km verließen wir die Landstrasse und gelangten auf einem schmalen schlechten Weg in ein kleines Dorf. Hier lagen besonders fette und große Schweine und Misthaufen auf der Strasse, so dass es an mancher schwierig war vorbei zu kommen. Aber nicht nur Schweine behinderten unser Fortkommen, sondern auch Kieshaufen, entgegenkommende Fuhrwerke und eine aufgebrachte Oma. Robby wollte sich, wie es sich gehört wieder offroad begeben und deshalb fuhren wir das Ende des Dorfes, wo die Strasse in freie Felder führt. Jeder hätte wie immer  denken, dass wir uns verfahren haben. Mag sein, dass es welche taten, aber es wurde uns nie mitgeteilt. Jetzt befanden sich aber mitten auf unserem Weg etliche ca. 1 m hohe Kieshaufen. Die Strasse sollte wohl neu gekiest werden. Dummerweise stand dort auch noch ein uns entgegenkommendes Pferdefuhrwerk. So mussten wir erst einmal warten, bis dieses an uns vorbei war. Da wurde eine alte Dorfbewohnerin auf uns aufmerksam und stürmte auf das Zebra zu. Cynthia auf dem Beifahrersitz hat sie gleich zur Giraffe weitergeschickt. Wild gestikulierend, laut und uns unverständlich schimpfend, versuchte sie wohl Robby und Knut klar zumachen, dass es da nicht weitergeht. Oder vielleicht wollte sie auch nicht, dass wir weiter fahren. Endlich war der Weg frei und wir fuhren los. Robby meinte später er kehre niemals um, und wegen solch kleiner Kieshaufen schon gar nicht.

Die Landschaft hier unterschied sich wieder von den bisherigen. Die Hügel waren flacher und weitläufiger. Die dominierende Farbe war braungrau. Es war trocken und staubig. Das alles überziehende Gras, war struppig, piekig und fast verdorrt, die Büsche dornig und trocken. Bäume gab es nicht viele – staubige  Steppenlandschaft. Wir hinterließen immer größere Staubwolken.  Eine besonders weitläufige Wiesen- und Hügellandschaft lud zum Driften und Sliden ein. Weit und breit weder Mensch noch Tier, ein Paar Büsche, steile und flache Hügel. Der Untergrund war trocken und fest, es bestand keine Gefahr tiefere Furchen oder größere Schäden anzurichten. Und so ließen es alle Krachen… und dann krachte es in einer besonders elegant geslideten Kurve am Defendi. Die Schadenssuche ergab eine ausgehängte Feder hinten rechts. So konnten und wollten wir nicht weiterfahren. „Nicht verzagen Robby fragen!“ Er dirigierte Major M zu einer geeigneten Stelle wo dieser  in Verschränkung fuhr – quasi Geländewagenheber. Robby wuchtete mit Knut und einem Brecheisen die Feder wieder in ihren Kopf und Major M arretierte sie mit einem Spanngurt. Effektive Schnellreperatur – hält bis heute!

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Weiter ging es Richtung Westkarpaten und bald erreichten wir die ersten Ausläufer. Aus den Hügeln wurden Berge und die Täler schmäler. Robby wollte mit uns zu Bergdörfern fahren, die im Winter völlig von der Außenwelt abgeschnitten sind, und die Winter sind dort  in den Bergen lang. Aber auch immer Sommer sind sie nicht ohne weiteres leicht erreichbar. Wir verließen die Landstrasse und fuhren hinein in einen hauptsächlich Buchenwald, erst eben, und dann in Serpentinen hinauf auf fast 1000 m ü.NN. Die Sonne leuchtete geheimnisvoll durch das dichte Blätterdach, es war eine ungeahnte Idylle. Als wir aus dem Wald herauskamen, hatten wir eine grandiose Aussicht auf Weiden, Täler, Berge und die in der Ferne liegenden Dörfer. Wir folgten dem Bergrücken auf einem ausgefahrenen schmalen steinigen Weg. Vor uns tauchte ein Pferdefuhrwerk auf. Der Weg vom Tal war weit, wir sind mit Geländewagen heraufgefahren. Komisches Gefühl mitten in Europa, in der EU  – eine andere Zeit. Wieder gab es uns zu denken, wie einfach und arm, bescheiden und trotzdem scheinbar glücklich die Menschen hier waren, wie sie sich mit dem Leben arrangierten und wie anspruchsvoll „wir“ sind und uns unser „einfaches“ Leben kompliziert machen.

Robby hatte natürlich auch wieder einen exklusiven Mittagsplatz für uns – diesmal eine von Wildschweinen durchgepflügte Wiese mit Aussicht auf die Dörfer. Diese erreichten wir später, nach Durchqueren einer Senke. Unvermittelt tauchte ein Schimmel auf, der sicher genauso überrascht über unser Erscheinen war, wie wir über seins und vor uns fast bis zum Dorf hergaloppierte. Ein Weidezaun mit einem einfachen Holzgatter, dann die ersten Häuser, die überraschend modern und stabil aussahen. Im alten „Dorfkern“ waren die Häuser aber erwartet älter, aus Holz mit kunstvollen Schnitzereien, malerisch und schön, aber sicher keineswegs komfortabel. Auf schmalem Weg fuhren wir durch das ausgestorben wirkende Dorf. Nur die wohl bestellten Gemüsebeete, die Blumen und die Tiere zeugten davon, dass es hier auch Menschen gab, die jetzt mittags sicher auf ihren Feldern waren.

Dann ging es wieder hinunter zur Landstrasse und weiter nach Luna de Sus. Kurz vor davor trafen wir wieder die Megabaustelle. Auch hier zerstört sie alles sie umgebende. Die zahllosen Zuwege, der Erdaushub, die vielen Bagger, Planierraupen hinterlassen eine Schneise der Verwüstung über der  eine gigantische Staubwolke hing. Diese Geisterstrasse, die auf dem Pfeiler „X“ überm Tal einfach endet, wo nur noch weiter sich im Aufbau befindende Pfeiler den Fortgang der Trasse zeigen, ist bei uns in der Karte als fertige Autobahn eingezeichnet…

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Hier kamen wir auf die  E60. Zusätzlich zur Baustelle verunzierten noch überdimensional große Werbeschilder, wie wir sie aus z.B. Thailand und Russland kennen die Landschaft. Wir fuhren noch etwas länger auf der Europastrasse, aber die Landschaft wurde wieder gewohnt schön. In Huedin, einer kleinen, relativ hübschen Stadt, bogen wir ab. Diesmal wirklich zu den Westkarpaten, deren Gipfel wir in der Ferne sahen. Bald kamen wir zu einem größeren Bach. Der Bach war seicht und sanft – Ideal für Wasserspiele. An geeigneter Stelle – das Ufer teilweise vom Müll des nahen Ortes verunreinigt – fuhren wir, jeder so oft er wollte mit Hochgenuss durch das Wasser. Naturnahe Unterbodenwäsche, oder auch Autospielen für große Kinder.

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Und dann ging es hinein in die Berge. Wir befanden uns auf in der Landkarte gelber Strasse (=Nebenstrasse), die jedoch bei uns bestenfalls weiß oder grau (= Wirtschaftsweg) gewesen wäre. Schon bald war sie nur noch eine Sandpiste, die in die Wälder und Berge des Parcul Naţional Munţii Apuseni hineinführte, auf der wir dank der anhaltenden Trockenheit eine unwahrscheinliche Staubwolke produzierten. Am Eingang in den Park war ein Schild. welches uns und allen anderen des Weges kommenden sagte, dass die Strasse gerade von der EU ausgebaut wird und somit gesperrt sei. Robbys coole Frage ob uns das störe, war nur rhetorischer und höflicher Art – natürlich war uns das egal und ihm sowieso. Im Nachhinein fragten wir uns, warum sie denn gesperrt war. Wir konnten keine Behinderung feststellen, außer einem Holzfällertrupp, der gerade etliche Stämme auf der Strasse deponiert hatte und wir erst warten mussten bis diese zur Seite geräumt waren.

Gegen 17:00 Uhr OZR hatten wir dann endlich unser Camp – selbstverständlich ohne „ing“, dafür aber einsam, still im Wald gelegen mit Vollmond und Aussicht auf ein fernes Tal.

Das Lagerfeuer war gewohnt riesig – wir steigerten uns langsam – wärmte von außen, der Palinka aus der Fantaflasche, ab jetzt nur noch kurz Fanta genannt, wärmte von innen.

 
Mittwoch 30.9.2009 9:40 Uhr OZR

Wir hatten es nicht eilig, denn es war „Wandertag“ und die Fahrstrecke dorthin recht kurz. So starteten wir gemütlich zum Ausgangspunkt unserer Dolinenwanderung. Dolinen sind eingefallene Kalksteinhöhlen die sich unter der Erde durch Auswaschung gebildet haben. Hier mitten im Nationalpark gab es keine Dörfer, nur vereinzelte Art Pensionen, und ein-zwei rustikale CampING-Plätze, die mit den uns gewohnten aber höchstens das „Toilettenhäuschen“ gemein hatten und Hütten für die Hirten, deren Schafe wir überall begegneten. In Sichtweite einer festen Unterkunft für Touristen und einer Schafherde stellten wir unsere Fahrzeuge am Hang in fotogener schöner Reihe ab und machten uns, per Pedes den Berg hinauf, auf zur Sehenswürdigkeit – der Doline, mir entfallenen Namens.  Recht steil ging es zunächst über eine Almwiese hinauf in den dichten feuchten Wald. Dann auf schmalem Steig berg- auf und bergab über Stock und Stein, bis wir nach ca. 1,5 std. am Ziel waren. Man sah anhand der Markierungen am Wegesrand und einiger erläuternder Schilder, dass wir uns in touristischem Gebiet befanden. Allerdings konnten wir jetzt zur Nichtsaison von dieser Spezies keine Exemplare besichtigen – außer uns selbst.

Die Doline war nicht extrem riesig, aber dafür tief. Innen ist die Temperatur immer konstant kalt, so dass der Schnee, der im Winter oben rein schneit, nie ganz taut. In diesen feuchtkalten, matschigen Raum führte zunächst ein Treppensteig, den Rest seilten wir uns, am von Robby gespannten Seil, ab. Unten erwarteten uns „schwarzer“ Schnee und eine Eissäule, ein Stalagmit aus Eis, ein Gespenst im Zwielicht der einfallenden Sonne.

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Die Doline bestand aus quasi 2 Stockwerken wobei nur das obere begehbar war (zumindest für uns). Einblicke in das Untere bekamen wir durch das Loch in mitten der bis nach unten führenden Eissäule und durch „Fenster“ in der Wand. Bizarre Formationen aus rot-weißem Fels und Eis.

Der Rückweg führte uns zu einem Aussichtspunkt, der wie sollte es anders sein, auch der perfekte Picknickplatz war. Eine Mittagspause ohne Aussicht, wäre wie Lunch ohne Essen. Vor uns ein Abgrund aus schroffen Kalkfelsen, unter uns und soweit das Auge reicht dicht bewaldete Hügel und Berge, dazwischen kleine Wiesen, über denen am Himmel die immer näher kommenden Regenwolken hingen.

Mit fast trockenem Fuße gelangten wir auf teils mühsamen Steig wieder zu unseren wartenden Fahrzeugen. Unterwegs fanden wir noch Tierlosung, die zu kontroverser Diskussion führte. Jegliche Zuordnung zu einer Spezies wurde verworfen. Vielleicht war es doch ein Verwandter von Bruno.

Auf einem das Tal einrahmenden Hügel, in einer kleinen verborgenen Senke sollte unser Quartier sein. Jetzt regnete es tatsächlich ganz leicht und dunkle Wolken zogen auf. Major M und ich überlegten, wie wir uns ein Regendach bauen könnten, da unsere Dackelhütte über kein Vorzelt verfügte und wir nicht alles aus dem Defendi in den Regen stellen wollten. So bauten wir von allen interessiert beäugt und zur deren Belustigung unter heftiger Diskussion – an der Kommunikation technischer Vorstellungen, muss noch gearbeitet werden! – ein Defendivorzelt aus einer Plane vom Aldi. Plane gut, Idee gut, Ergebnis befriedigend, Durchführung mangelhaft. Der Regentauglichkeitstest viel aus, da es aufhörte zu regnen, aber Major M weiß jetzt wenigstens, wie ich mir das mit der Plane gedacht habe, nächstes Mal darf er mir (vielleicht) zeigen, wie er meint(e), dass es geht.

Auf 1200 m war die Nacht nicht besonders warm, ich hatte jedoch nun endlich auch eine Technik gefunden den Schlafsack zu heizen und deshalb bin ich nicht erfroren.

Donnerstag 1.10.2009 9:00 Uhr OZR

Auch dieser Tag stand ganz unter dem Motto Wandertag. Die Fahrt zum Ausgangspunkt war kurz und offroadtechnisch unspektakulär. Die Wanderung dafür umso anspruchsvoller.

Wir parkten an einem futurischtischem roten Bergwacht-Iglu und einem CampING-Platz, wo tatsächlich einige Tschechen, mutmaßliche Pilzsammler ihr Zelt aufgeschlagen hatten. Wir begannen auf komfortablem breitem Fahrweg, bogen aber schon bald steil bergab auf einen  schmalen Pfad in Richtung der riesigen Dolinen ab. Diese Dolinen war keine Höhlen, sondern ein riesiger Krater, den wir zu durchwandern planten. Auf bekannt steilen, steinigen Steigen gelangten wir nach ca. 1 Stunde zur geologischen Superlative. Unwissende hätten diese Doline als Steilwand zu einem Tal oder ähnlichem gedeutet. Vor uns ging es steil bergab. Wie tief und wie weit war nicht zu sehen. Eine Steinhalde zog sich am zerklüfteten Felsen hinab, an dem eine Art Holzleiter und Stahlseil angebracht waren. Wieder ein Zeichen von Tourismus, neben den allgegenwärtigen Markierungen. Wir hangelten uns mehr den Berg hinab, als dass wir abgestiegen wären. Nach dem ersten steilen Stück blickten wir in den gesamten Krater. Rundum Geröllhänge und steil aufragende zerklüftete Felsen. Die Vegetation in Form von Büschen und kleinen Nadelbäumen klammerte sich mit enormen Wurzelwerk an den Fels. Der „Weg“ führte über Felsen und Steinblöcke hinab ins erste kleine Dolinental. Über eine steile Stahlleiter mit offenen Stufen und anschließender Kletterpartie über einen kleinen bewachsenen Steilhang gelangten wir auf den Rand der wesentlich größeren. Der Steig hinab ging über ein Geröllfeld in die Riesen-Doline, auf deren Grund sich wie ein Blinddarm eine winzige unbegehbare Höhle befand. Kurze Verschnaufpause auch zum Wirkenlassen, der enormen Steinformationen. Jetzt galt es aber wieder herauszukommen aus dem Krater. Es gab weder Lift, noch Leiter. In Reih und Glied kraxelten wir, auf kaum sichtbaren Steig, die bestimmt 100 Meter hohe, zur Senkrechte tendierende Wand hinauf.

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Ein  touristischer Wanderweg mit etlichen Aussichtsbalkonen, die aber nicht zum Betreten verführten, führte um die Doline herum. Natürlich war da auch wieder ein super Mittagspausenplatz im Angebot! Auf banalem Wanderwege gelangten wir danach recht entspannt zu den Autos.

Völlig platt nahmen wir dort begeistert Robbys Angebot an, noch vor Aufsuchen unseres Camps einen Berggipfel zu erklimmen, oder es zumindest zu versuchen – mit den Autos. Das Wetter war wieder den ganzen Tag trocken, beste Voraussetzungen.

So fuhren wir die gesamte Strecke wieder zurück, vorbei an unserem vorherigen Camp und rätselten welches denn der Gipfel der Begierde sei. Linkerhand im Nordwesten erstreckte sich ein verlockender, imposant aussehender Bergrücken mit einem langen steinigen Grad, offenbar über der Baumgrenze. Und wie sollte es anders sein? Natürlich war er es, war er doch der einzige dieser Größe und Höhe hier. Zunächst führte ein ausgefahrener markierter und beschilderter Wanderweg zu einer Alm. Danach war der Weg steiniger und schmaler, jedoch wurde er auch schon befahren, wovon Reifenspuren und die Fahrrinnen eindeutig zeugten. Auf 1400 m ü.NN. wies uns Robby auf unser späteres Camp zur Linken hin. Frostig, dachten wir. Aber zunächst ging es weiter, auf immer steinigerem und holperigem Weg mit teils engen Kurven. Bei Regen sicher eine Herausforderung, bei dieser Trockenheit gut und dennoch spaßig zu befahren.

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So holperten wir aus dem Wald heraus und vor uns war der Berg, eine große hohe Wand aus Wiesen und Geröll. Über eine riesige Almwiese, mit kurzem trockenem Gras, bei Regen und Nässe wäre das Ende der Expedition gewesen, und selbst jetzt bei Trockenheit ein ungriffiger Untergrund, gelangten wir zum eigentlichen Aufstieg. Was aus der Ferne so unmöglich aussah, erwies sich als anspruchsvoll und machbar, aber vor allem schön. Auf schmalen steinigem Weg ging es in langgezogenen Zickzackserpentinen stetig bergauf. Jeden Meter eröffneten sich uns neue Ausblicke auf die grandiose Landschaft. Almen, Berge, Wälder – Natur soweit das Auge reicht. Von Südwesten zogen schwarze dunkle Wolken herein, durch die die Sonne ihre Fäden zog, wie auf alten katholischen Gemälden. Dann noch eine Kurve und eine Kuppe und wir waren oben. Ein riesiges Hochplateau auf 1645 m ü.NN, verdorrtes Gras und nadelige Büsche. 360° Natur, Berge, Wind und Stille. Hier oben gab es nur uns. Welch ein Platz auf dieser Welt – so erhaben und majes- tätisch. Aber kein lauschiger Ort zum verweilen, der Wind fegte ungebremst über das Plateau, es war kalt.

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Die Aussicht und die Natur bestaunend, fuhren wir auf anderem Wege hinunter ins Camp, einer Lichtung im Tannenwald auf besagten 1400 m ü.NN. Die Wolken kamen immer näher und es wurde kalt. Alle suchten sich eine geschützte Stelle und schlugen ihr Domizil auf. Major M und ich unter einer kapitalen, solitären Tanne. Es begann die gemeinsame Brennholzsuche und erste Tauschgeschäfte. Wir hatten kein Bier mehr – völlige fatale Fehlkalkulation. Dafür hatten wir unendliches Filmmaterial der bisherigen Strecken…

Major M fand es an der Zeit eine Dusche zu nehmen und wusch sich Haar und Oberkörper unter fließend kaltem Wasser aus dem Wasserkanister. Ich hatte dafür keinen Bedarf. Frei nach dem Motto  “Dastunk’n  is’ no neamand, dafror’n scho…“ überließ ich ihm generös das verfügbare Wasser.

Gerade als wir uns zu Tisch begaben, kamen die ersten Regentropfen und in der Ferne sahen wir Wetterleuchten. Kein Drama, denn ein Robby-Knut-       Team ist für alles gerüstet. Schnell zauberten sie aus der Giraffe einen Pavillon hervor, der blitzschnell aufgestellt war. 10 Personen und 2 Hunde gingen gerade irgendwie darunter, inklusive Stühle und Tisch. Aber es hörte auch schon wieder auf zu regnen. Diesmal aber nicht endgültig, denn später, bei Lagerfeuer und „Fanta“ ging es wieder los. Immer öfter erhellten ferne Blitze, gefolgt von grimmigem Grollen, den Himmel. Das Gewitter, ungewöhnlich in dieser Jahreszeit, kam immer näher. Robby genoss weiterhin sein Fanta-Mixgetränk und Knut hütete das Feuer.

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Als es sich begann zu lohnen, zählte Robby die Sekunden zwischen Blitz und Donner, weiterhin ungerührt  sitzenbleibend. „einundzwanzig…  zweiundzwanzig… dreiundzwanzig“ -krach-  „drei Kilometer“. Eine Minute später:  „einundzwanzig, zwei…“ -krach-  „eineinhalb Kilometer“. Robby verzieht keine Miene und trinkt genüsslich weiter…   „ei…“ -krach- „jetzt gehen wir doch besser in die Fahrzeuge!“

Dort warteten wir alle auf den nächsten Blitz und Donner und wir auf den Einschlag in die uns „schützende“ solitäre Tanne. Er blieb aus aber  wir hatten keine Lust mehr auf Lagerfeuer, sondern beeilten uns irgendwie halbtrocken ins Zelt zu kommen. Die ganze Nacht prasselte der Regen auf das Zelt, die Außenwand klebte an der Innenwand und ich freute mich schon auf eine Schlammschlacht am nächsten Tag.

 
Freitag 2.10. 7:00 OZR

Der Regen hat aufgehört. Als ich den Kopf zum Zelt hinausstrecke und versuche meine klammen, durchgefrorenen Glieder zu bewegen, finde ich unser Camp im Nebel wieder. Von den Bäumen tropft das Wasser, die Feuchtigkeit trägt ferne Tierstimmen heran und alles ist unwirklich verschwommen und gedämpft. Wir sammeln unsere Überreste des Abends ein, packen und versuchen dabei möglichst trocken zu bleiben. Auf feuchtem Weg geht es hinab ins Tal, schon bald hinaus aus der Wolke. Es wurde merklich trockener, auch wenn einige spaßige Pfützen auf dem Weg waren. Robby verkündet, dass der Abend lustig werden kann, wenn es dort auch geregnet hätte und noch spaßiger, wenn es tagsüber weiter regnen würde. Die Wolken waren schon mal vielversprechend.

Zunächst fuhren wir aus den Bergen Richtung Westen hinunter ins Tal. Auf teils ausgewaschener unbefestigter Strasse schlängelten wir uns durch dichten Wald in Serpentinen hinab. Zunehmend kamen wir in bewohntes und somit bebautes Gebiet. Auffällig viele Pensionen waren im Rohbau oder schon fast fertig. Die Region rüstet sich für den Tourismus. Im Zuge dessen wurde hier auch die Strasse besser. Frisch geteert und ohne jeden Offroad-Wert. Auch hier in Rumänien werden die unberührten Flecken immer kleiner. Unser erstes Ziel war die Peştera Urşilor (Bärenhöhle), eine riesige Tropfsteinhöhle bei Pietroasa, die Ihren Namen von dem riesigen Bärenskelett, das dort gefunden wurde, erhalten hat. Auf guter und trockener – hier hat es überhaupt nicht geregnet! – Strasse gelangten wir schnell dorthin. Das Gebiet hier am westlichen Rande des  Parcul Naţional Munţii Apuseni erfreut sich, dank der vielen Höhlen und ausgewiesenen Wanderwegen, bei in- und ausländischen Touristen zunehmender Beliebtheit. Dass es der Bevölkerung dadurch finanziell besser geht als anderswo sahen wir sofort an den liebevoll renovierten und sauber in knalligen Farben gestrichenen Häusern, die immer öfter das Dorfbild prägten. Am Straßenrand lagen keine Schweine oder Misthaufen, sondern standen Blumenkübel oder Bäume und in den Gärten wuchsen neben Agrarpflanzen auch Blumen.

Am Parkplatz zu Bärenhöhle wurden wir gleich von einem Parkwart professionell mit Warnweste gekleidet empfangen, der uns auf den komplett leeren Parkplatz einwies. Als wir den Weg zum Eingang der Höhle einschlugen staunten wir nicht schlecht – er war komplett von  Souvenirständen gesäumt. Jetzt zu dieser frühen Zeit und mitten in der Woche, es war erst kurz nach 10:00 Uhr OZR, waren noch keine Touristen da. Wir wunderten uns aber dennoch, ob der Ansturm jemals so groß wäre, dass sich solch eine Menge an Souvenirs, die zu dem noch von der grausigsten made-in-China-Sorte waren,  lohnen würde. Aber wahrscheinlich versucht jeder mit irgendetwas an den blöden Touris zu verdienen.

Die Höhle kann nicht individuell besichtigt werden. So bekamen wir eine Führung auf rumänisch, gemeinsam mit ein paar sehr jungen rumänischen Besuchern. Die Höhle ging tief in Berg hinein. Mehrere Säle waren durch weite Gänge verbunden. Millionen von Stalaktiten und Stalagmiten aus rostbraun- weißem Stein in den unterschiedlichsten Größen füllten die ganze Höhle aus. In einem Saal hingen die Stalaktiten wie Spaghetti von der Decke, in einem anderen stachen die Stalagmiten wie Nadeln, wie ein riesiges Fakirbett, aus dem Boden, meist erinnerten sie aber an unzählige erigierte Penisse in den unterschiedlichsten Größen. Die Elektrik der Höhle war wieder rumänisch abenteuerlich. So wussten unsere armen Elektriker gar nicht, was sie mehr bestaunen sollten – Kabel oder Phalli. Am Ende der Höhle befand sich der namensgebende Bär, ein vollständig erhaltenes Bärenskelett in Schlafstellung am Boden liegend. Wir haben ein Foto dieses Bären auf den Tafeln am Eingang gesehen und wunderten uns über die grüne Farbe des Skeletts. Beim Betrachten des realen Objektes waren wir überzeugt, dass es sich um einen Fotoeffekt handeln muss, denn die Knochen waren normal knochenfarbig. Die Überraschung erlebten wir aber bei späterem Betrachten der Bilder – auch „unser“ Skelett war grün. Dies Rätsel ist noch nicht gelöst…

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Draußen erwarteten uns, die mittlerweile alle geöffneten, Souvenirstände und zumindest Major M und ich suchten das Weite.

Da es noch recht früh war, dieser Ort aber über einige Restaurants verfügte, beschlossen wir erst in das kleine Privatmuseum der Familie Flutur, das muzeul etnografic chiscau, zu fahren und danach noch mal zum Essen zurückzukehren. Hier ist es fast peinlich zu erwähnen, dass wir den knappen Kilometer zum Museum mit dem Auto zurücklegten, fügen aber gleich als Erklärung an, dass sich Robby nicht erinnern konnte, wie weit es war und wir alle sowieso keine Ahnung hatten.

Das Museum ist ein faszinierendes Sammelsurium aller nur erdenklicher Gebrauchsgegenstände von mindestens 2 Jahrhunderten, das die Familie Flutur in und um ihren Bauernhof zur Schau stellt. So parken am Straßenrand unter einem Dach die rostigen Skelette uralter Autos, russischer Bauart uns unbekannter Marken, wie ein Pobjeda (Sieg).

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Dieses Modell mit noch erhaltenen fast zerfallen Sitzen und anderem Innenleben erweckte Robby’s Begier. Gut dass das Vehikel bei dem geringsten Standortwechsel in seine Einzelteile zerfallen würde. Vor dem Eingang zum Hof stand eine ungarische Dampfmaschine von Hofherr und Schrantz Baujahr 1907, die ab und an noch in Gebrauch zu sein schien. In der Scheune und auf dem Hof befand sich eine Unzahl an alten Schreibmaschinen, Kutschen, Tontöpfen, Agrargerät, Fahnen der kommunistischen Brüderländer, Kachelöfen, Hirschgeweihe und vieles andere. Es gab auch ganze „Motto-Räume“, wie eine Schusterwerkstatt mit Schuhen aus Autoreifen, Stiefeln und Schusterwerkzeug, ein kompletteingerichtetes Klassenzimmer und eine kleine museale Wohnung mit Kleidung und Gebrauchsgegenständen, ein Backhaus und und und.

Zur Mittagspause kehrten wir noch mal zum Bärenhölenparkplatz zurück und aßen in einem der Restaurants, ohne Aussicht (eindeutiger Regiefehler), leckere rumänische Cevapcici. Dabei wurden wir umringt von einigen hungrigen streunenden Hunden, die gekonnt unser Mitleid erweckten.

Kurz vor einer weiteren Europastrasse, der E79 nach Beius, befand sich eine kleine Stabkirche. Sie war umgeben von einem kleinen wenig gepflegtem Friedhof, im Hintergrund die Berge und die bleischwarzen Wolken und  wir erwarteten jeden Moment Draculas Erscheinen. Der Friedhof bot wieder einen Einblick in rumänische Sitten. Wenn ein Ehepartner verstorben war, auch wenn in noch jungen Jahren, wird auf dem Grab der Stein des anderen Partners bereits angebracht, mit Bild, Geburtsdatum und teilweise Sinnspruch. So hatte eine heute 42 Jährige bereits „ihren Platz“ neben dem vor 2 Jahren verstorbenen Gatten…

Beius, eine kleine Stadt, die ebenso gut irgendwo in Russland hätte stehen können. Wohnblöcke, grau und trist, ohne Balkons, im Erdgeschoss Geschäfte. Davor Grünanlagen und Spielplätze mit bunt lackierten Eisenspielgeräten. In einem dieser kleinen, mit Fertigprodukten bestückten Läden suchten wir erfolgreich unser Glück nach Bier. Der Rest der Gruppe deckte sich auch noch mit dem für den letzten Abend und morgigen Tag Notwendigem ein. Robby sammelte anschließend alle unseren übrigen Lei, die wir nicht mehr vertanken können werden, ein und tauschte  sie in harte Euros zurück, da er diese Lei zum betanken seiner Giraffe brauchen konnte. Alle waren wir verwundert über die Menge, aber wir dachten, er kommt ja wieder.

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An einer Tankstelle nach Beius füllten wir alle noch unsere Tanks, um morgen problemlos bis Ungarn zu kommen. Alle waren wir schon fertig. Nur neben der Giraffe stand ein Tankwart und warte bis die Zapfsäule sich abschaltete. Er bekam einen immer verwunderteren Gesichtsausdruck, schaute unter die Giraffe, ob das Diesel vielleicht unten wieder raus liefe und war irgendwann total verwirrt.  Robby und Knut standen grinsend daneben. Die Giraffe hat einen 400! L Tank.

Unser Camp sollte in den westlichsten Ausläufern der Westkarpaten liegen. Deshalb verließen wir kurz hinter Beius die E 79 in nördlicher Richtung. Robby verkündete, dass wir nun die letzte Etappe dieser Reise auf ungeteerter Strasse antreten würden. Ein Dorf folgte dem anderen, die Strasse war gut und frisch geteert. Die Dörfer wurden seltener, lagen weiter auseinander, der Teer blieb. Und dann kamen wir zu einer  Baustelle – gerade wurden die letzten 100 Meter der ehemaligen Schotterpiste geteert. Ein verzweifelter Versuch uns durchs Gelände zu lotsen, um uns doch noch etwas offroad bieten zu können, scheiterte. Jeder Weg mündete immer gleich wieder auf der Hauptstrasse. Unser letztes Camp lag in einem riesigen sanft hügeligen Dolinengebiet in unmittelbarer  Nähe eines Dorfes. Als allerletzte Offroad-Chance kurvten wir dort noch ausgiebig über die Wiesen und durch den Wald. Gegen 19:00 Uhr OZR bauten wir ein letztes Mal unsere Dackelhütte auf. Grillgut hatte fast keiner mehr, außer Robby und Knut.  So gab es bei uns feine Ravioli, was uns sehr an jugendliche Abenteuertouren erinnerte. Ein letztes Mal saßen wir alle gemeinsam am Lagerfeuer und ließen die vergangenen Tage Revue passieren. Adressen wurden getauscht und die letzten Tropfen „Fanta“ verteilt. Ein Prise Wehmut mischte sich mit Vorfreude auf ein warmes kuscheliges Bett und eine ausgiebige Dusche.

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Samstag, 3.10 8:30 Uhr OZR

Wir brechen zur für uns letzten Etappe auf. In diese Richtung ist die Zeitverschiebung äußerst günstig, so ist es zuhause doch erst halb acht und Garmin berechnete eine Ankunftszeit von 21:13 Uhr. Diese Zeit werden wir nicht einhalten können, aber wir hatten kein sinnvolles Nachtquartier auf der Strecke liegen, und da es egal war, wann wir ankommen, beschlossen wir einfach die Etappe von 1275 km sportlich anzugehen.

Wir verließen die Berge in südwestlicher Richtung und kamen wieder auf die E 79 und auf dieser nach Oradea. Wir mussten dort noch eine Vignette kaufen, da wir unwissender Weise die ganze Zeit in Rumänien schwarzgefahren sind. Je näher wir Oradea kamen, desto hässlicher wurde die Gegend. Die Landschaft war zwar immer noch schön, jedoch zunehmend flacher. Da die E 79 jedoch die Hauptverbindung Ungarn – Rumänien ist, siedelt sich hier im grenznahen Gebiet alles an Handel und Industrie mit den üblichen Folgen an. So waren dicht an dicht Autohändler von Landrover bis Toyota, Discounter von Metro bis Lidl quer durch Europa, neben Industrie. Kein wirklich reizvoller Anblick. Oradea, auch wenig reizvoll, war schnell durchquert und bald waren wir an der Grenze. Dort mussten wir die nächste Vignette kaufen. Auch Ungarn verlangt eine Strassengebühr. Die Grenzabfertigung ging schnell und so waren wir wieder in Europa. Das Landschaftsbild änderte sich schlagartig. Endlose Puszta und endlose Felder, Monokultur und Steppenlandschaft.  Die Häuser moderner und solider und in jedem Ort gab es einen Supermarkt, Bäcker, Friseur…

Wir versuchten wieder die Ortschilder zu lesen, scheiterten aber an Namen wie Berettyóújfalu, Püspökládany oder Törökszentmiklós zumindest beim ersten Versuch. Bei Újhartyán fuhren wir dann auf die M 5. Kurz vor Budapest wollten wir noch gemeinsam Mittagessen. Wir wählten einen hübsch aussehenden Rasthof mit unendlich vielen Sitzplätzen, ebenso vielen „echt ungarischen“ Gerichten, aber nur 4 Gästen außer uns.

L1050262Wir bestellten und warteten. Nach einer Stunde kamen dann die riesigen Portionen. Es war nicht schlecht, aber in unserer „Ozonklinik“ war es besser. Insgesamt hat uns diese Pause mind. 2 Stunden gekostet. Soviel zur Ankunft 21:13 Uhr.

Budapest umfuhren wir auf südlicher Umgehungsautobahn. Vor Györ tankten wir noch einmal alle gemeinsam und dann trennten sich unsere Wege. Robby und Knut fuhren über die Slowakei nach Gera, das Zebra plante noch bis ins Badische zu kommen, der Rest wollte in Passau nächtigen.

Wir gaben Gas, forderten Defendi wieder einiges ab, pusteten aber auch den Motor durch. Wie nötig das war, zeigte sich in Wien. Gerade als ich in den Stadtautobahntunnel auf der Überholspur fuhr, fing Defendi plötzlich an zu spotzen und holpern, als wenn er zu wenig Diesel hätte. Ich fuhr auf die rechte Spur, aber da war es schon wieder vorbei. Kurze Zeit später erschreckte er uns noch einmal, dann waren die Leitungen wieder sauber.

Passau, Deggendorf, München, Augsburg, Ulm. Es zog sich ganz schön hin. Wir waren beide total müde und wieder durchgeschüttelt, aber wir hielten durch. Punkt 12 waren wir zuhause.

„CC“

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